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Die Bildhalle eröffnet ihre neue Züricher Location mit Werner Bischofs Ausstellung 'Fotografiker'

«Kaum ein Fotograf hat das Dilemma der modernen Fotografie mit gleicher Intensität gelebt und aufgrund dieser Spannung ein Werk von solch exemplarischer Bedeutung geschaffen. Nicht einmal zwanzig Jahre standen zur Verfügung. Ein Oeuvre dieser Qualität und dieses Umfanges kam zustande, weil Werner Bischof mit Besessenheit an die Arbeit ging, eine Arbeit, an der er oft genug gezweifelt hat, ein Zweifel jedoch, der fruchtbar wurde.»
Hugo Lötscher (aus dem Text: «Zeitgenosse der Kamera»)

Der Schweizer Magnum-Fotograf Werner Bischof (1916–1954) gilt als einer der wichtigsten und herausragendsten Fotografen des 20. Jahrhunderts. Er ist ein Meister der Schwarzweiss-Fotografie und sein gewaltiges Werk schuf er in einer äusserst kurzen Zeit. Seine Arbeit als Fotojournalist und Dokumentarist des Zeitgeschehens führte ihn um die halbe Welt.

Bischofs Biografie ist die eines Mannes der Moderne. In den 1940er Jahren arbeitete er in seinem Fotostudio «Fotografik» und wurde dabei stark durch die Bewegung «Neues Sehen» beeinflusst. Nach dem 2. Weltkrieg reiste er durch Europa und schuf eine umfassende Dokumentation über die Zerstörung und den Wiederaufbau Europas nach dem Krieg. Während der frühen Zeit des Fotojournalismus publizierte Bischof in den bedeutendsten Magazinen der Welt und wurde Mitglied der legendären Fotografenagentur Magnum Photos. Seine Reportage über die Hungersnot in Indien verhalf Werner Bischof 1951 zur internationalen Berühmtheit.

In den frühen 1950er Jahren folgten Reisen durch Japan und weitere asiatische Länder. Auf diesen Reisen brach er aus dem Korsett der reinen Auftragsfotografie aus und widmete sich zunehmend auch freien Arbeiten. Im Herbst 1953 begann Bischof auf einer Reise durch die USA mit der Farbfotografie zu experimentieren und reiste darauf nach Zentral- und Südamerika, wo er 1954 bei einem Autounfall in den peruanischen Anden ums Leben kam.


Werner Bischof – Fotografiker . BILDHALLE Galerie für zeitgenössische und klassische Fotografie . Stauffacherquai 56, 8004 Zürich. Vernissage: Mittwoch 24. August ab 18.30h . Open House mit Apéro und Grill: Donnerstag 25. August von 12h bis 22h . Die Ausstellung dauert bis 1. Oktober . Neue Öffnungszeiten ab 26. August: Jeden Donnerstag bleibt die Bildhalle bis 20h offen – es gibt Apéro für die abendlichen Besucher . Mittwoch und Freitag: 12h bis 18.30h und Samstag 11h bis 17h . bildhalle.ch
23.08.2016 // show complete article

GoSee Tipp: Frida Parmeggiani - Kostüm Abstraktionen und das Spannungsverhältnis zwischen Natur, Raum, Volumen und Textilem. Ausstellung in Salzburg und als Bildband bei Schlebrügge Editor

In den drei Jahrzehnten von 1978 bis 2008 war Frida Parmeggiani ein der gefragtesten Kostümbildnerinnen Europas. Sie arbeitete mit Hans Hollmann, Götz Friedrich, Rainer Werner Fassbinder, Samuel Beckett und Robert Wilson. Anlässlich ihres 70. Geburtstages zeigt das Salzburger Mozarteum und Kunst Meran eine neuen Entwürfen gewidmete Ausstellung, dazu erscheint die erste umfangreiche Publikation über das Werk der Kostümbildnerin. Gezeigt wird das Spannungsverhältnis zwischen Natur, Raum, Volumen und Textilem.

Erstmals arbeitet Parmeggiani ohne Dramaturgie und Schauspieler. Edle Stoffe in Kombination mit Metallelementen oder Versatzstücken aus der Natur lassen stilistisch strenge, ästhetische Kostüminstallationen entstehen. Auf die Frage was am Anfang eines jeden Kostüms steht, antwortete sie im letzten Jah rin einem Interview: "Am Anfang steht der Entwurf. Bei der Oper beginnt das Entwerfen mit der Musik, ich gehe der Musik nach und frage mich, welche Farben sie mir vermittelt. Nicht jede Musik hat strahlende, kräftige Farben, es können genauso Grautöne sein, die an Mauern oder Fresken erinnern. Das Kostümbild hat etwas mit der Malerei gemeinsam, beide versuchen sie durch Farben und Formen Emotionen auszulösen."

Silke Geppert beleuchtet Parmeggianis aktuelle Arbeiten kostümgeschichtlich, ihr langjähriger künstlerischer Partner Robert Wilson skizziert das Besondere ihrer symbiotischen Kooperation, Bernd Sucher zeichnet ein aktuelles journalistisches Porträt und Elfriede Jelinek veröffentlicht ein eigens für diese Publikation verfasstes Prosastück über die gemeinsame Hingabe ans Textile.

Frida Parmeggiani feierte ab 1976 erste Bühnenerfolge mit Stücken von Samuel Beckett, Rainer Werner Fassbinder und Wilfried Minks, stattete bereits 1979 Wagners Lohengrin und 1987 den gesamten vierteiligen Opernzyklus Wagners bei den Bayreuther Festspielen aus. Kooperationen mit David Byrne, Lou Reed, Tom Waits und William S. Burroughs folgten. Für die Salzburger Festspiele schuf sie hoch stilisierte und phantastische Kostüme für Erwartung, Herzog Blaubarts Burg, Mitridate und Dantons Tod. Ab 1987 arbeitete Parmeggiani fast exklusiv für die Inszenierungen Robert Wilsons. Für den gesamten vierteiligen Opernzyklus Wagners entwarf sie in den Jahren 2000 – 2008 die Kostüme für die Aufführungen im Opernhaus Zürich und 2005 in der Oper Chatelet in Paris. Von 1987 an hat Parmeggiani fast exklusiv die Kostüme für die Inszenierungen des amerikanischen Theatermagiers Robert Wilson entworfen. Heute lebt Frida Parmeggiani in Meran.

Frida Parmeggiani. Kostümabstraktionen
Deutsch/Englisch/Italienisch, 24 x 30 cm, 136 Seiten, Abbildungen in Farbe, broschiert German/English/Italian, 24 x 30 cm, 136 pages, images in color, paperback Mit Beiträgen von / contributions by Silke Geppert, Elfriede Jelinek, Ursula Schnitzer, C. Bernd Sucher und Robert Wilson, ISBN 978-3-902833-94-5 Preis € 34,00, Schlebrügge.Editor

SALZBURG : 22. Juli – 2. September 2016, Mirabellgarten: Barockmuseum, Stadtgalerie Museumspavillon, Zwergerlgartenpavillon
MERAN : 17. September 2016 – 8. Januar 2017 , Kunst Meran: KOSTÜMABSTRAKTIONEN
Palais Mamming Museum : 17. September 2016 – 20. November 2016, HOW TO BECOME FRIDA und ANNÄHERUNGEN AN FRIDA
21.08.2016 // show complete article

Fotografie als Gleichgewicht zwischen Erkenntnis und Poesie - die Welt des Italieners Luigi Ghirri zu Gast in der Mai 36 Galerie in Zürich

Die Züricher Galerie MAI36 zeigt in ihrer neuen Ausstellung sommerlich leichte Arbeiten des Italieners Luigi Ghirri, kuratiert von Urs Stahel, Kurator und Mitbegründer des Fotomuseums Winterthur. Die Eröffnung findet am 25. August 2016 statt und zu sehen sind die Arbeiten bis 8. Oktober 2016.

Von der Galerie erfahren wir : "Luigi Ghirri (1943-1992) war lange Zeit ein geheimnisvoller Unbekannter. Einmal weil seine Rezeption sich anfänglich vorwiegend in Italien abspielte, dann auch, weil er nicht mehr da war, als der Boom der Fotografie in der Kunst einsetzte – mit 49 Jahren war er allzu früh und plötzlich verstorben. In den vergangenen zehn Jahren nun wird Luigi Ghirri endlich als einer der wichtigsten und einflussreichsten Fotokünstler in Italien, in der Welt insgesamt entdeckt, diskutiert und gefeiert.

Die sechziger, siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts waren ein Zeitraum, in dem die Fotografie grundlegend erneuert und neu verstanden wurde. Für viele Künstler ist diese Zeit ein Jahrzehnt der Abkehr: von den abstrakten, reinen, nach Objektivität strebenden Gestaltungsweisen und ihrem gedanklichen Überbau, vom Werk als geschlossener, absoluter Entität; von der Vorgabe des kunstwürdigen Materials und vom Stildenken... Nur wenige Figuren wie Lewis Baltz, Robert Adams, Joe Deal, Stephen Shore und in Europa eben vor allem Luigi Ghirri waren als Fotografen aktiver Teil dieser Bildrevolution und trieben das neue Verstehen von Fotografie als eine mediale Sprache voran. In der Theorie spricht man hier vom „Linguistic Turn“ der Bildwelt."

Und hier noch ein schönes Zitat des Fotografen : „Es hat fast den Anschein, als teilte sich der Blick in zwei unübertragbare und unversöhnliche Kategorien: auf der einen Seite die Erkenntnis, auf der anderen Seite die Poesie. Mich hingegen interessiert ein Gleichgewicht zwischen diesen beiden Extremen herzustellen. (…) Fotografieren wird also zum Bewusstsein, dass man sich an der Grenze zwischen Bekanntem und Unbekanntem befindet.“ (Luigi Ghirri)

Vernissage ist am Donnerstag, 25. August 2016, 18 Uhr.
Mai 36 GalerieRämistrasse 37, Zürich, mai36.com
17.08.2016 // show complete article