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Die Arbeiten von Seba Kurtis - Thicker Than Water thematisieren farbenfroh die Schrecken der Migration. Zu sehen in Vevey und auf GoSee

Der 1974 in Buenos Aires geborene Künstler Seba Kurtis studierte Journalismus und war politischer Aktivist unter dem Militärregime der Junta. Als 2001 Argentinien von der Wirtschaftskrise erfasst wurde sah er sich, wie so viele seiner Landsleute, gezwungen das Land zu verlassen. Er zog nach Spanien, wo er sich absolut illegaler weise für fünf Jahre aufhielt. Eine Erfahrung die ihn in seinem Schaffen und fürs Leben geprägt hat. Seine Arbeiten, aktuell zu sehen in Vevey, handeln von den Mechanismen der Migration, von der dahinterliegenden, oftmals menschenverachtenden Dynamik, dem Einfluss auf Kultur, Gesellschaft und nicht zuletzt das Individuum.

Ausgangspunkt für die aktuell gezeigte Arbeit "THICKER THAN WATER" ist seine persönliche Erfahrung als Exilant und die damit verbundene Heimlichkeit, ebenso wie die Geschichten Gleichgesinnter die er über die Jahre kennenlernte. Seine künstlerischen Ausdrucksmittel im Bereich Fotografie sind Farbfilter, Grafik, Überblendungen, Farben ebenso wie Überbelichtungen.

Die Galerie führt aus: "These "interventions" enable him to highlight the mechanics of identity erasure and dehumanisation that are at work in migratory processes, and to comment on this phenomenon: colorimetric manipulations that imitate human detection systems used at borders, immersion of negatives in salt water to represent sea crossings – often dangerous and sometimes fatal – and collages to mask faces and signify migrants’ loss of identity.

With the title "Thicker Than Water", the exhibition presents five series created since 2008. "Shoebox" (2008) is a family archive of Super-8 films. Kept in a shoebox at the time of leaving for Europe, they are water-damaged. This damage is a metaphor for the impact of financial crisis on the life of families. Water is the series’ leitmotiv: the sea inspires hope and despair, it brings together and tears apart, sometimes causing death and destruction.

"A Few Days More" (2008) addresses migration from Egypt to Europe and the longer roads of exile (and increased risks) that result from tighter border control. For "Drowned" (2008), Kurtis photographs the shores of the Canary Islands, where boats coming from Africa land. Before developing the pictures, he "drowns" the negatives in the same water that often kills those who attempt the crossing.

"Thicker Than Water" (2012), which gives its name to the exhibition, focuses on detection systems used by UK Border Control: heartbeat and breathing detectors used on lorries and trailers, which can detect human presence in a matter of minutes.

Finally, "Talcum" (2015) is the first chapter of a residency Kurtis did in a refugee camp near Cherbourg. The coast and horizon, which inspire fantasies of a new life, stand in dramatic contrast with the walled and oppressive environment within the camp. Here, collage interferes with traditional family portraits. Faces are lost in the brightness and layers of coloured talc. This manipulation refers to an article in the local press, which ran the headline "Hidden in a lorry full of talc". From this minor news item, Kurtis draws on this symbolical substance. The masked faces express the enforced quest for invisibility that is necessary to survive in migratory situations."

Bei den Arbeiten Seba Krutis' handelt es sich nicht um Reportagen oder Dokumentationen, seine experimentellen Arbeiten thematisieren vielmehr den komplexen Themenkreis Migration, wobei seine Fotos dasselbe Schicksal erleiden wie die Menschen die er portraitiert.

Seba Kurtis - Thicker Than Water . bis 24 Feb 2016 . Quai1, Place de la Gare 3, 1800 Vevey . quai1.ch
08.02.2016 // show complete article

Das LVR-LandesMuseum zeigt 'Boris Becker – Staged Confusion'. Eine ordentliche Fotografie-Ausstellung zum Thema Chaos

Boris Becker ist einer der bedeutendsten deutschen Fotografen der Gegenwart. Seine Ausstellung Staged Confusion (=Inszeniertes Durcheinander) präsentiert Euch im LVR-LandesMuseum Bonn neueste Arbeiten aus den Bereichen Konstruktion, Landschaft und Architektur.

Mit der Untersuchung offensichtlich chaotischer Szenarien in Innen- und Außenaufnahmen vermittelt der in Köln ansässige Künstler die Ambivalenz geordneter und ungeordneter Räume und Situationen, in denen sich, wenn nicht Ordnung, so doch mit ein wenig Einfühlungsvermögen zumindest eine Systematik erahnen lässt. Gezeigt werden 21 großformatige Arbeiten sowie 19 kleinere Fotografien. Die großformatigen Fotoarbeiten sind in privaten, gewerblichen und öffentlichen Räumen - wie beispielsweise der Oper Köln - in den Jahren 2000-2015 entstanden.

Die Bilder werfen einerseits die Frage nach der Bedeutung gesellschaftlich anerkannter Ordnungsparameter auf und vermitteln andererseits durch ihre ästhetische Wirkung in sich schlüssige, rein visuell funktionierende Bildsysteme. Ergänzt wird die Ausstellung durch frühe Werke, die in einem korrespondierenden Dialog zueinander stehen.

Boris Becker – Staged Confusion
. LVR-LandesMuseum . Laufzeit: 27.1.-20.3.2016 . LVR-LandesMuseum Bonn, Colmantstr. 14-16, 53115 Bonn . lvr.de
27.01.2016 // show complete article

Von kurzlebiger Körperlichkeit: Francesca Woodman - On Being An Angel, eine Retrospektive im FOAM Museum in Amsterdam

Was bleibt von einer Fotokünstlerin, die sich bereits im Alter von 22 Jahren von einem New Yorker Gebäude in den Tod stürzte? Bedeutend viel. Und auch weitaus genug für das Amsterdamer FOAM Museum, Francesca Woodman eine Retrospektive zu widmen. 'On Being An Angel' zeigt noch bis zum 9. März 2016 Arbeiten aus dem bemerkenswerten Lebenswerk der US-Amerikanerin. Eine (fast) ausschließliche Bildersammlung in schwarz/weiß zu Themen, die nie an Aktualität eingebüßt haben: Geschlecht, Symbolismus, Sexualität und körperliche Beschaffenheit.

Sie drückte sich meist durch ihre Selbstportraits aus, mal nackt, mal ungelenk versteckt hinter alter Tapete, in einem Schrank oder einem Schleier aus Bewegung. Ihre Motive vor kahlem Interieur weisen eine Reihe von symbolistischen und surrealen Einflüssen auf, die oftmals beklemmende Gefühle hervorrufen. Die Fotografie war ihre ganz persönliche Art des Ausdrucks.

Francesca Woodman (1958-1981) wuchs in einer Künstlerfamilie auf, begann in ihrer Jugend an zu fotografieren und studierte von 1975 bis 1978 an der Rhode Island School of Design. In der Regel ist ihr Lebenswerk unterteilt in verschiedene Perioden: frühe Arbeiten, Werke als Studentin in Providence, Arbeiten, die in Italien entstanden (1977-1978) oder bei der MacDowell Colony und schließlich die Arbeiten, die sie ab 1979 in New York produzierte.

Die Ausstellung wurde organisiert vom Moderna Museet in Stockholm in Zusammenarbeit mit dem Nachlass Francesca Woodman und beinhaltet 102 Fotografien, darunter hauptsächlich Silbergelantine Abzüge, sowie einige großformatige Lichtpausen und sechs Kurzvideos.

Francesca Woodman - On Being An Angel, bis 9. März 2016, FOAM Museum, Amsterdam
27.01.2016 // show complete article