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02.11.2011

 

Die andere Seite des Mondes - Künstlerinnen der Avantgarde von Vorvorgestern, Frauenkunst gibt sich im K20 die Ehre

Im Mittelpunkt der Ausstellung "Die andere Seite des Mondes" stehen acht Künstlerinnen, die in den 1920er und 1930er Jahren - unglaublich aber wohl wahr - maßgeblich an den ästhetischen Neuerungen in Europa beteiligt waren.

Durch ihr unvermutet hohes künstlerisches Niveau, ihre für Frauen erstaunlich zielstrebige Kontaktsuche und ihr irritierend-unbedingtes, nahezu "unweibliches" Engagement vernetzten sie sich im Zentrum der damaligen Avantgarde. Es sind Claude Cahun, Dora Maar, Sonia Delaunay, Florence Henri, Hannah Höch, Sophie Taeuber-Arp und die weniger bekannten Katarzyna Kobro und Germaine Dulac, deren Leben und Werke in der Ausstellung erstmals in dieser Zusammenstellung entdeckt werden können - da sie ehrlich gesagt so gut wie vergessen waren und immer noch sind. 

Die Gesamtspanne ihrer künstlerischen Arbeiten umfasst unterschiedliche ästhetische Richtungen vom Dadaismus über den Konstruktivismus bis hin zum Surrealismus. Ebenso vielfältig sind die künstlerischen Mittel: Malerei, Fotografie, Collage, Film und Skulptur.

"Die andere Seite des Mondes", also die, die keiner sieht, bzw. nicht warhhaben will und vermutlich wie die Pest meidet -  wendet sich den weiblichen Leistungsträgern der Avantgarde zu : Künstlerinnen, die frühzeitig an den Bewegungen ihrer Zeit teilgenommen und die mit zur Begründung und Verbreitung neuer Stilrichtungen beigetragen haben.

Beispielhaft für diese Riege der mutigen Pionierinnen steht Sophie Taeuber-Arp (1889-1943). Mit ihrem umfassenden Werk, das den Dadaismus und die geometrisch-abstrakte Kunst miteinander verknüpft und sogar in Randbereichen den Surrealismus berührt, gilt sie in den Kreisen von Cercle et Carré und Abstraction-Création als die "Verbindungen Schaffende" par excellence.

Neben Piet Mondrian und Theo van Doesburg trägt sie zur Etablierung der konkreten Kunst in Europa bei und ist als weltoffene Persönlichkeit und Mitarbeiterin der französischamerikanischen Zeitschrift Plastique eine frühe Networkerin in Sachen avantgardistischer Kunst.

Zum Kreis dieser einflussreichen und kommunikativen Künstlerinnen zählen ebenso Hannah Höch (1889-1978), die mit ihren Collagen zu den Begründern des Berliner Dadaismus gehörte, sowie Sonia Delaunay (1885-1979). Letztere bereitete in Paris den Weg zur reinen Malerei und revolutionierte die Modeindustrie mit ihrem eigenen Label.

Florence Henri (1893-1982) war die Repräsentantin des Neuen Sehens in Frankreich. Ob bei den Futuristen in Rom, den Kubisten in Paris oder im Bauhaus in Dessau – die reisefreudige, vielsprachige Florence Henri hielt sich immer dort auf, wo die Avantgarde zu Hause war. Dora Maar (1907-1997) und Claude Cahun (1894-1954) gelten als die radikalsten Vertreterinnen des frühen Surrealismus.

Fast alle der gezeigten Künstlerinnen waren zeitweise eng miteinander befreundet, andere kannten sich indirekt durch ihre Werke. Die Wege, Querverbindungen, wechselnden Freundschaften und temporären Paarbildungen – kurz : die europaweiten und monetär natürlich in keinster Weise relevanten Netzwerke dieser Künstlerinnen – sollen in den rund 230 Werken der Ausstellung sichtbar und erfahrbar werden.

Geld ist schliesslich nicht alles - würde Mann sagen.

"It's a man's world." Immer noch.

Eine GoSee Musik-Empfehlung.


Künstlerinnen der Avantgarde
bis 15.01.2012
K20 Grabbeplatz
kunstsammlung.de