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09.10.2011

 

Erró. Porträt und Landschaft. Die Kritisch-ironisch-monströse Collagemalerei des isländischen Künstlers in der Schirn

Der isländische Künstler Erró zählt zu den großen Einzelgängern in der Kunst des 20. Jahrhunderts. Pop und barock, plakativ und erzählerisch, gesellschaftskritisch und humorvoll, moralisch und abgründig schuf er innerhalb der letzten 50 Jahre ein unverwechselbares Werk, das sich jeder Kategorisierung widersetzt.

In seinen kritisch-narrativen Collagen kombiniert er malerisch Bildvorlagen aus unterschiedlichen populären Quellen zu vielsagenden, häufig verstörenden Tableaus. Die großen gesellschaftlichen Themen Politik, Krieg, Sexualität, Wissenschaft und Kunst reflektierend, erscheinen diese visuellen Arrangements als Versuch, einen umfassenden Bilderatlas der modernen Welt zu schaffen.

Die Ausstellung in der SCHIRN zeigt Errós Konsum- und Medienkultur kritische Serie „Scapes“ sowie erstmals den gesamten, 1968 entstandenen Zyklus der „Monster“.

In dieser grotesken Serie von Doppelporträts stellt der Künstler den offiziellen Konterfeis prominenter Persönlichkeiten ein zweites, monströs verzerrtes Gesicht gegenüber. Mit einem Augenzwinkern ermahnt er damit, dem offiziellen Bild einer Person nicht allzu sehr zu trauen, vor allem als Reaktion auf deren mediale Repräsentation. Dies verleiht den „Monsters“ auch im Hinblick auf die Realität unserer heutigen Mediengesellschaft eine ungebrochene Aktualität.

Als Bindeglied zwischen den beiden Werkgruppen werden Erró-Filme aus den 1960er-Jahren zu sehen sein.

Erró, 1932 als Guðmundur Guðmundsson in Ólafsvik geboren und auf einer entlegenen Farm im
Südwesten Islands aufgewachsen, gilt heute als einer der bedeutendsten Künstler des Landes.

Bevor er sich der Gegenwartskunst zuwandte, hatte Erró in Reykjavík und Oslo zunächst an traditionellen Kunstakademien studiert und in Italien die Technik der Freskomalerei und der Mosaikkunst erlernt. Den Anschluss an die internationale Avantgarde fand er 1958, als er sich in Paris niederließ.

Anfänglich stark vom Surrealismus geprägt, gelangte Erró um die Mitte der 1960er-Jahre, im Umfeld der sich in Europa und in den USA entfaltenden „neuen Realismen“ und Pop-Art-Ansätze, zu einer höchst eigenständigen Form der kritisch-ironischen Collagemalerei, die auf der malerischen Reproduktion massenmedial
verbreiteter Bildvorlagen beruht.

So entstanden bis heute meist in Form thematisch geschlossener Serien Tausende von Gemälden, in denen Erró Fragmente der unterschiedlichsten visuellen Sphären – Comics, Karikaturen, Postkarten, Fotos, Filme, Kunstreproduktionen, illustrierte Lexika, Kataloge und Magazine aller Art – hemmungslos ineinandersetzt und zu dichten, oft verstörenden visuellen Assemblagen montiert.


ERRÓ - PORTRÄT UND LANDSCHAFT
Kuratorin: Esther Schlicht, SCHIRN
6. Oktober 2011 – 8. Januar 2012
SCHIRN KUNSTHALLE FRANKFURT
Römerberg, D-60311 Frankfurt
www.schirn.de