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21.10.2009

 

Frieze Art Fair - GoSee misst die Temperatur auf dem Londoner Kunstmarkt

Vom 15ten bis 18ten Oktober waren alle Augen der Kunstszene auf London gerichtet : Die Kunstmesse Frieze residierte im Regent’s Park. Die Menschen kamen in Scharen, um zu sehen ob sich das Klima in der Kunstszene von der letztjährigen börsenbedingten Eiszeit zurück zur Zimmertemperatur entwickelt hat.

Eins steht auf jeden Fall fest : am Sonntag war das Zelt von den ganzen Kunstbegeisterten ordentlich aufgeheizt. Am Ausgang wurde man entsprechend gründlich kontrolliert, jeder Kauf wurde offiziell dokumentiert. Und da einige Leute gleich vor Ort zuschlugen, war der Weg nach draußen entsprechend zeitaufwendig. Die Galeristen hat es im Vergleich zum Vorjahr sichtlich gefreut, dass der Patient erste und deutliche Lebenszeichen von sich gab.

Bei der Frieze geht es hauptsächlich um kaufen bzw. verkaufen, doch geschätzte 80% der Besucher genießen einfach die Atmosphäre und das Gefühl fast schon beim Entstehen bzw. Bewerten zeitgenössischer Kunst präsent zu sein. Dies konnte man deutlich an der Besucher-Menge vor Jay Jopling’s White Cube ablesen.

Es scheint als würden die Leute geradezu sensationslüstern auf die Big Names warten und mehr oder weniger heimlich auf die aufgerufenen aktuellen Preise schielen. Dies ist auch den Galeristen und Kunsthändlern nicht verborgen geblieben - das Resultat war eine irritierende Vielzahl an Neonobjekten von Emins, ebenso wie Hirsts und Wallingers an fast jeder Ecke - was einerseits den Besuch des Events sehr Déjà-vu-mässig rüberkommen liess, als auch zu weiterer Konfusion im Labyrinth der Galerien beitrug.

Der Vorteil an einem internationalen Happening wie der Frieze ist die Möglichkeit innerhalb von Minuten von Land zu Land zu reisen, von einer Galerie in die nächste .... unter den besonders schönen Inseln des grossen Frieze-Ozeans ist die Berliner Galerie Lüttgenmeijer (www.luettgenmeijer.com) zu nennen. Sie zeigten eine Stuhl Installation des Kanadiers Gareth Moore. Das Tate Museum schlug sofort zu und sicherte sich das Werk für seine Permanent Collection.

Die Londoner Seventeen Gallery (www.seventeengallery.com) irritierte die Besucher mit Kunst von Susan Collis - scheinbar wertlose, zerkratzte und gesprungene Holzbretter achtlos auf den Boden geworfen. Was der verwirrte Passant nicht wusste : in den Ritzen, nahezu unsichtbar in all der Hektik und Oberflächlichkeit, platzierte Susan die kostbarsten Juwelen.

Die T293 Gallery aus Neapel (www.t293.it) hinterließ hingegen einen starken und unübersehbaren Eindruck. Ihr Stand bestand aus blankem Shop-Equipment mit entsprechend unsentimentaler Beleuchtung - deutlicher kann man Ausverkauf nicht definieren.

Eine der wenigen Galerien die auf die Kraft des Fotos setzten, waren Galerie Eigen + Art aus Berlin (www.eigen-art.com). Sie zeigten Arbeiten aus Martin Eder’s Strecke “Die Armen”. Ob sich der Titel auf die nicht vorhandene Kleidung bezieht – wir wissen es nicht.

Ein weiterer lohnenswerter Besuch war der Long March Space (www.longmarchspace.com) aus Shanghai. Hier wurden Arbeiten aus einer Serie von Yang Shaobin gezeigt. Alle Motive stammten aus seinem vierjährigen Projekt, in dem er sich mit dem Kohlebergbau in China auseinandersetzte.

The Third Line (www.thethirdline.com) aus Dubai zeigte vier riesige "zuckersüße" Gemälde aus Farhad Moshin’s “Fluffy Friends” Strecke.

Und das “Long Live and Thrive Capitalism” Banner der Andreiana Mihail Gallery (www.andreianamihail.com) aus Rumänien war ohne Übertreibung ein ziemlicher Eye-catcher.

Weiteres Highlight war die Viewing Plattform auf einem Gerüst. Von hier oben konnte man die Besucher bei ihrem ZickZack-Kurs durch den Galerien-Dschungel aus sicherer Distanz beobachten.

Und auch wenn man so wie ich nichts gekauft hat, keinen Ed Ruscha und auch kein 6 GBP teures Sandwich so konnte man doch ganz umsonst und völlig legal das Hypnose-Video von den Kunst-Aktivisten von Superflex geniessen. Aber typisch Kunst-Freaks: natürlich sollte man die Augen geschlossen halten bei der Hypnose. Aber als ich meine wirklich nur ganz, ganz kurz öffnete sah ich, dass alle anderen ganz unverblümt weiter auf den Monitor starrten.

Auf dem Weg nach Hause durch den Frieze Skulpturen-Park fühlte ich mich dennoch irgendwie erfrischt und kulturell beschenkt - als hätte ich mir doch ein kleines Meisterwerk gegönnt.


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