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10.11.2008

 

Gerhard Richter : Übermalte Fotografien in Morsbroich - Abstrakte Bilder in Köln

Mit der Ausstellung „Gerhard Richter. Übermalte Fotografien“ präsentiert das Museum Morsbroich erstmals einen nahezu unbekannten Strang im Werk des weltberühmten Künstlers. Gerhard Richter hat die Technik der Fotoübermalung durch Zufall entdeckt: Als er Fotografien und Zeitungsausschnitte als Vorlagen für seine Ölgemälde benutzte, sind ihm während des Malens und beim Abgleich der Farbwerte immer wieder Ölfarben auf die Fotos getropft. Die dabei entstandenen Farbeffekte und die Wechselwirkung zwischen den unterschiedlichen Medien Fotografie und Malerei haben ihn dazu angeregt, mit dieser außergewöhnlichen Kombination intensiv zu experimentieren und sie zu einer eigenständigen Werkgruppe auszubauen.

In der Regel verwendet der Künstler für seine Übermalungen handelsübliche Fotoabzüge in der Größe von 10 mal 15 Zentimetern. Die Fotos entstehen im Familien- und Freundeskreis, im Urlaub und auf Reisen, während der Suche nach Motiven für seine Gemälde oder einfach beim Spazierengehen. Richter fertigt jedes Jahr Tausende von Fotos an, von denen all diejenigen, die nicht in das private Fotoalbum aufgenommen oder weiter verarbeit werden, in einer großen Kiste landen. An manchen Tagen, an denen Richter mit dem Rakel abstrakte Ölbilder geschaffen hat, holt er einige ausgewählte Fotografien wieder hervor und fertigt mit den noch nassen Farbresten seine Übermalungen an.

Bei Hatje Cantz erschien ein sehenswerter Bildband mit 392 Seiten und 470 Farbabb mit Beiträgen von Siri Hustvedt, Markus Heinzelmann, Uwe M. Schneede und Botoh Strauß (Hatje Cantz Verlag).

Vom 18. Oktober 2008 bis 1. Februar 2009 veranstaltet das Museum Ludwig, Köln, die Ausstellung „Gerhard Richter. Abstrakte Bilder“ mit rund 40 Gemälden aus den Jahren 1986 bis 2006. Ausgangspunkt sind die Serien "Cage" von 2006 und "Wald" aus dem Jahre 2005, von denen die letztere zum ersten Mal in Europa gezeigt wird. Der darin dargestellte Stand von Richters malerischer Entwicklung wird zurück verfolgt zu ihren in den mittleren 1980er Jahren angelegten Wurzeln.

Die Bilder sind von einer ungeheuren malerischen Dichte. Laut Gerhard Richter lassen "Willkür, Zufall, Einfall und Zerstörung zwar einen bestimmten Bildtypus entstehen, aber nie ein vorherbestimmtes Bild". Diese Gemälde seien Ergebnis einer "sehr geplanten Spontaneität". Für Gerhard Richter ist Malerei "die Schaffung einer Analogie zum Unanschaulichen und Unverständlichen, das auf diese Weise Gestalt annehmen und verfügbar werden soll".

Außerdem wird im Rahmen der Ausstellung eine gerade erst vollendete, 100-teilige Arbeit von Gerhard Richter präsentiert. Sie besteht aus paarweise gehangenen Hinterglasbildern in einer Größe von je 30 x 24 cm.

Auch zu dieser Ausstellung erschien ein Buch im Hatje Cantz Verlag ( 160 Seiten, ca. 80 farbige Abbildungen).