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19.09.2012

 

GoSee Tipp : Malerei in Fotografie. Strategien der Aneignung. Der dokumentierte Einfluss der Malerei auf die zeitgenössische Fotografie im Städel Museum Frankfurt und als Buch im Kehrer Verlag

Nur noch wenige Tage ist die Auseinandersetzung zwischen Fotografie und Malerei im Frankfurter Städel Museum zu sehen. Doch glücklicherweise gibt es ja den Ausstellungskatalog aus dem Kehrer Verlag. Eine Vorschau sowie ein Einblick in die informativen Erklärungen hier bei GoSee...

Ausgehend von der eigenen Sammlung und ergänzt durch Leihgaben aus der DZ BANK Kunstsammlung sowie internationalen Privatsammlungen und Galerien präsentiert die Ausstellung rund 60 Arbeiten, darunter Werke von László Moholy-Nagy, Hiroshi Sugimoto, Wolfgang Tillmans, Thomas Ruff, Jeff Wall und Amelie von Wulffen.

Untersucht wird die Reflexion der Malerei im fotografischen Bild anhand verschiedener künstlerischer Strategien der Aneignung, die jedoch alle eines gemeinsam haben: Sie widersetzen sich der allgemeingültigen Erwartung an Fotografie, die Wirklichkeit authentisch zu dokumentieren. 

Frühe Beispiele für die Adaption malerischer Techniken in der Fotografie sind die Fotogramme von László Moholy-Nagy (1895–1946) aus den 1920er-Jahren. In seinen kameralosen Fotografien arrangiert der ungarische Künstler und Bauhaus-Lehrer Gegenstände auf lichtempfindlichem Papier, die unter dem Einfluss von direktem Sonnenlicht gegenständliche Spuren als vermeintlich abstrakte Formen hinterlassen. 

In den gegenstandsfreien fotografischen Lichtzeichnungen von Otto Steinert (1915–1978), den Luminogrammen, schreibt sich die Bewegung des Fotografen dem lichtempfindlichen Film direkt ein. Darin entsprechen sie der gestischen Malerei des Abstrakten Expressionismus von Jackson Pollock.

Wolfgang Tillmans’ (*1968) Arbeit „Freischwimmer 54“ (2004) ist ohne Negativ durch Zufallsoperationen beim Belichtungs und Entwicklungsvorgang des Fotopapiers entstanden und ist weit entfernt von der Abbildung einer äußeren Wirklichkeit.

Die Transparenz und Dynamik in Thomas Ruffs (*1958) Fotoserie „Substrat“ verleihen den Arbeiten eine malerische Qualität, die an Farbfeldmalerei erinnert. In seiner Serie „Seascapes“ „entleert“ der Japaner Hiroshi Sugimoto (*1948) das Motiv durch Langzeitbelichtung; die sublimen Darstellungen der Verschmelzung bzw. Abgrenzung von Meeresoberfläche und Himmel scheinen Zeit und Raum zu überwinden.

Beate Gütschows (*1970) fiktive Landschaftsbilder, die aus digital zusammengesetzten Fragmenten bestehen, erinnern an arkadische Ideallandschaften der Malerei des 17. und 18. Jahrhunderts.

Der Italiener Luigi Ghirri (1943–1992) macht Aufnahmen im Atelier Giorgio Morandis (1890–1964). Seine Fotografien „kopieren“ die Stillleben Morandis, indem nicht Morandis Malerei, sondern die realen Gegenstände im Atelier des Malers als Vorlage genutzt werden.

Die inhaltliche Vorbereitung der Ausstellung fand in Kooperation mit der Goethe-Universität Frankfurt im Kontext eines von Dr. Henning Engelke, Dr. Martin Engler und Carolin Köchling geleiteten Seminars am Kunstgeschichtlichen Institut im Wintersemester 2011/2012 statt. Die Studierenden sind mit Textbeiträgen am Ausstellungskatalog beteiligt. 

Städel Museum
Städelsches Kunstinstitut
Dürerstraße 2
60596 Frankfurt am Main
www.staedelmuseum.de