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13.01.2009

 

Kunstmuseum-Wolfsburg : Wohnen in der Kunst - Vom Interieurbild der Romantik zum Wohndesign der Zukunft

In der aktuellen Ausstellung begeben sich das Museum und deren künstlerischer Leiter Prof. Dr. Markus Brüderlin mit "Interieur/Exterieur. Wohnen in der Kunst" auf die Suche nach der Moderne im 21. Jahrhundert und untersuchen ein Phänomen der Moderne: den privaten Wohnraum. In ihm spiegeln sich die Sehnsüchte, Ängste und gesellschaftlichen Normen des modernen Menschen wider. Die private Wohnung ist zugleich Refugium und repräsentatives Mittel ihrer Bewohner, in ihr begegnen und durchdringen sich Kunst, Design und Architektur, persönliches und öffentliches Leben einer Epoche.

Für die über 1600 Quadratmeter große und 16 Meter hohe Wolfsburger Ausstellungshalle, entwickelt der bekannte Architekt Dieter Thiel (VITRA Design Museum) für die Ausstellung eine flexible Ausstellungsarchitektur mit einem vielseitigen Parcours von Innen- und Außenräumen.

Die Ausstellung ermöglicht mit Installationen und Fotoarbeiten, Videos und Gemälden, historischen Rekonstruktionen von Interieurs, modernen Designobjekten, experimentellen und legendären Möbelstücken einen kulturhistorischen Streifzug durch 200 Jahre Wohngeschichte.

Am Anfang steht ein Landschaftsgemälde von Caspar David Friedrich aus der Zeit um 1800, das die Sehnsucht des modernen Menschen versinnbildlicht, sich im „unendlichen Innenraum des Kosmos“ heimisch zu machen. Am Ende trifft der Besucher auf das vollverglaste Wohnei „R129“ des deutschen Ingenieurs Werner Sobek, das den Kerngedanken dieser Vision ins 21. Jahrhundert transportiert.

Dazwischen begeht man dunkle Zimmer, die Spitzenwerke der Interieurmalerei um 1900 (Edvard Munch, Felix Vallotton) beherbergen, begegnet man Wohnensembles des Jugendstils und der Wiener Moderne (Henri van de Velde, Josef Hoffmann). Piet Mondrians 1:1 Rekonstruktion seines Pariser Ateliers öffnet die Tür zur lichtdurchfluteten Revolution des modernen Wohnens: den klar geformten, eleganten Klassikern des Modern Styles von Eileen Gray bis zum Bauhaus.

Die Pop- und Nierentischästhetik der 50/60er-Jahre führt scheinbar wieder zurück ins kuschelige Interieur der bunten Wohnlandschaft: Ein Höhepunkt der Ausstellung ist die ‚begehbare‘ Wohnhöhle „Visiona 2“ (1970) des dänischen Designers Verner Panton. Neben dem Drang nach Transparenz, Licht und Weite dokumentiert dieses Stück eine andere große Tendenz des modernen Wohnens: das Cocooning.

In den 90er-Jahren ‚kolonisierte‘ eine junge Künstlergeneration den neutralen, weißen Museumsraum mit Möbelobjekten und Wohnensembles (Ambient Art) und begann damit, das Versprechen der Moderne kritisch zu diskutieren. Speziell für dieses Projekt entwickelte Installationen von Gegenwartskünstlern (Tobias Rehberger, Florian Slotawa) werden Projekten von internationalen Designern und Architekten (Jasper Morrison, Ronan und Erwan Bouroullec) gegenübergestellt.

„Interieur/Exterieur“ beschreibt die Geschichte einer steten Annäherung von Kunst und Design, die schließlich zu einer wechselseitigen Durchdringung der Arbeitsfelder führt: Designer bedienen sich Methoden der Kunst (Ronan und Erwan Bouroullec, Zaha Hadid). Künstler beginnen andererseits Objekte und Environments zu produzieren, die sich nützlich machen (Donald Judd, Tobias Rehberger).

Zu sehen und zu begehen ist die Ausstellung noch bis zum 13. April 2009.

Kunstmuseum Wolfsburg
Hollerplatz 1, 38440 Wolfsburg
www.kunstmuseum-wolfsburg.de