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16.03.2009

 

NEW YORK - Big City. Street Photography im Wien Museum - Dramen und Komödien, Vergnügungen und Verbrechen

Dynamisch, in Bewegung und die Kamera immer schussbereit – die Stadt und ihre Menschen im Fokus: Diese fotografische Praxis entstand im Wesentlichen in den 1940er-Jahren in den Vereinigten Staaten. Hier entfaltete sich die Street Photography auch in den folgenden drei Jahrzehnten zur vollen Blüte. Insbesondere New York erwies sich als außerordentliches Versuchsfeld. In dieser Stadt bündelten und verstärkten sich zu jener Zeit alle Aspekte des Urbanen und hier versammelten sich die kreativen Kräfte des Landes – Kunstschaffende, Magazine, Verlage und Kulturinstitutionen.

Die Street Photography ist vielleicht der kraftvollste Ausdruck fotografischer Modernität. Die Vertreter der amerikanischen Street Photography dokumentierten im Laufe der Jahrzehnte die unglaubliche und sich ständig wandelnde Vielfalt der „Big City“ New York: Ihre Dramen und Komödien, ihre Vergnügungen und Verbrechen. Hier entstand eine neue urbane Poesie, hier fanden Fotografen wie Walker Evans oder Lee Friedlander eine ganz eigenständige Bildsprache, die mit den visuellen Erfordernissen der modernen Großstadt mithalten konnte. Ihre Werke passten sich dem Rhythmus und dem Pulsschlag des „Big Apple“ an, begleiteten New Yorks Veränderungen, erfanden das Bild der Metropole neu, spiegelten aber auch die soziale Wirklichkeit.

Eine entscheidende technische Neuerung wurde zur Grundlage der Street Photography : die Erfindung der Kleinbild-Kamera. Sie eröffnete den Fotografen völlig neue Möglichkeiten. Vorbei die Zeiten der statischen Aufnahmen mit umständlichen Apparaten, Schnappschüsse und die Jagd nach dem „entscheidenden Moment“ bestimmten ab sofort nicht nur die journalistische Fotopraxis. Doch anders als die elegant komponierten Straßenbilder von Henri Cartier-Bresson tendierten einige Vertreter der Street Photography zu einem aggressiveren Einsatz der Kamera.

Die Ausstellung, eine Eigenproduktion des Wien Museums, umfasst die große Zeit der Street Photography von den 1940er bis in die frühen 1980er-Jahre und bietet – erstmals in Österreich – einen breiten Überblick mit Arbeiten fast aller wichtiger Vertreter der amerikanischen Street Photography. Zu sehen sind rund 150 Bilder von Diane Arbus, Ted Croner, Bruce Davidson, Walker Evans, Louis Faurer, Robert Frank, Lee Friedlander, Sid Grossman, Charles Harbutt, William Klein, Saul Leiter, Leon Levinstein, Helen Levitt, Joel Meyerowitz, Tod Papageorge, Charles Traub, Weegee und Garry Winogrand. Als Ausstellungskurator konnte das Wien Museum Gilles Mora gewinnen.

Weegee beispielsweise hörte den Polizeifunk ab und wurde mit seinen voyeuristischen Bildern von Verbrechen zum Medienstar. Bezeichnend der Titel seiner wichtigsten Buchpublikation, die 1945 erschien: „Naked City“. Oder Garry Winogrand – er fotografierte beinahe obsessiv und häufte über viele Jahre hinweg eine unglaubliche Menge von Fotos an, vornehmlich von Frauen in den Straßen New Yorks.

Walker Evans, berühmt geworden mit Fotos von den amerikanischen Landarbeitern während der großen Depression und des „New Deal“, fotografierte in der New Yorker U-Bahn heimlich Fahrgäste und zeichnete damit ein ebenso wenig schmeichelhaftes Bild der Gesellschaft wie später William Klein, dessen Buch „New York“ (Untertitel: „Life is good & good for you in New York“) das Image der Stadt insbesondere in Europa entscheidend mitprägte. Seine körnigen, „schmutzigen“ Nahaufnahmen von Passanten erinnern nicht zufällig an die Underground-Ästhetik des zeitgenössischen Avantgarde-Kinos (Cinéma verité, Nouvelle Vague): Neben Klein drehten auch andere Fotografen wie Helen Levitt, Robert Frank oder Bruce Davidson Filme.

In Fotobüchern wurden wiederum die Bilder häufig als sequenzartige Abfolge präsentiert. Unter dem Einfluss des abstrakten Expressionismus befreiten sich die Fotografen ab den 1950er-Jahren von den Konventionen der Dokumentarfotografie und setzten zunehmend auf eine subjektive Bildsprache. Erst ab den 1960er-Jahren war die Fotografie als Kunstgattung etabliert, wenn auch zunächst „nur“ in Schwarz-Weiß. Eine neue Richtung erfuhr die Street Photography schließlich durch die Farbfotografie: Plötzlich erstrahlte die Stadt in Farbe, als ob ein Schleier zerrissen wäre.

Es waren die berühmten amerikanischen Mode-Magazine, die den Protagonisten der Street Photography eine Bühne boten und von ihrer Dynamik profitierten. Louis Faurer fotografierte für Life, Vogue und Flair, der Schweizer Robert Frank verdiente sein erstes Geld in New York bei Harper´s Bazaar, Saul Leiter arbeitete für Esquire, Elle und Show. Die Limelight Gallery, 1954 von Helen Gee gegründet, war die Drehscheibe der Szene: Hier wurden Fotos professionell gehandelt und neue Stile kreiert.

Aber es gab nicht nur „Auftragsfotografie“ für Massenmedien: Etliche der Fotografen waren auch explizit sozial engagiert, wie etwa Sid Grossman, der die Photo League mitbegründete, die das Ziel hatte, soziale Missstände fotografisch zu dokumentieren und damit politische Veränderungen voranzutreiben.


NEW YORK - Big City
bis 24ten Mai 2009
im Wien Museum Karlsplatz
Dienstag bis Sonntag und Feiertag, 9.00 Uhr bis 18.00 Uhr

WIEN MUSEUM : BIG CITY NEW YORK STREET PHOTOGRAPHY

WIEN MUSEUM : BIG CITY NEW YORK STREET PHOTOGRAPHY

WIEN MUSEUM : BIG CITY NEW YORK STREET PHOTOGRAPHY

WIEN MUSEUM : BIG CITY NEW YORK STREET PHOTOGRAPHY

WIEN MUSEUM : BIG CITY NEW YORK STREET PHOTOGRAPHY

WIEN MUSEUM : BIG CITY NEW YORK STREET PHOTOGRAPHY

WIEN MUSEUM : BIG CITY NEW YORK STREET PHOTOGRAPHY

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WIEN MUSEUM : BIG CITY NEW YORK STREET PHOTOGRAPHY

WIEN MUSEUM : BIG CITY NEW YORK STREET PHOTOGRAPHY

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WIEN MUSEUM : BIG CITY NEW YORK STREET PHOTOGRAPHY

WIEN MUSEUM : BIG CITY NEW YORK STREET PHOTOGRAPHY

WIEN MUSEUM : BIG CITY NEW YORK STREET PHOTOGRAPHY

WIEN MUSEUM : BIG CITY NEW YORK STREET PHOTOGRAPHY

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