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06.10.2011

 

W. Eugene Smith - die Retrospektive aus dem Blickwinkel des legendären Reportagefotografen als Ausstellung in Berlin und als Buch im Kehrer Verlag

Bereits im Alter von 15 Jahren machte der 1918 geborene W. Eugene Smith seine ersten Aufnahmen und arbeitete schon bald gelegentlich für zwei Lokalzeitungen, The Wichita Eagle und The Wichita Beacon. 1936 nahm sich sein Vater aus wirtschaftlichen Gründen das Leben - zu der Zeit  studierte er Fotografie an der Notre-Dame-Universität in South Bend, Indiana, um danach in New York für das Magazin Newsweek und die Agentur Black Star zu arbeiten.

Er war kein Konformist - so lehnte er die beim Life Magazin vorherrschende Meinung ab, dass die Arbeit des Fotografen mit der Fertigstellung der Negative abgeschlossen sei, was das Arbeiten mit sehr selbstbewussten Redaktionen für alle Beteiligten zur Qual machte.

Während des Zweiten Weltkriegs fotografierte er für die Presseagentur Ziff Davis Publishing Company. Als er im März 1944 in New York merkte, dass die Hälfte seiner Fotos der Zensur zum Opfer fielen, kündigte er und kehrte zu Life zurück.
 
Nach dem Krieg, den er verwundet überlebte, schuf er  Reportagen für das Life Magazine wie „Country Doctor“ (1948), Spanish Village“ (1950) und u.a. seine bekannte Kinder-Aufnahme „Walk to Paradise Garden“. Smith war für viele eine Inspiration, allerdings auch  dafür bekannt, dass er mehrere Tage ununterbrochen an einem einzigen Abzug arbeitete, während egal wer wartete.

Seine fotografische Besessenheit begann in seinem Privatleben verheerende Schäden anzurichten. Immer mehr Zeit verbrachte er in seinem Studio und immer weniger Zeit zu Hause bei seiner Familie. Im September 1950 wurde der von seiner Arbeit völlig erschöpfte Smith verhaftet, als er in den Straßen in der Nähe seines Studios nur mit Boxershorts bekleidet ziellos herumlief.

Smiths exzessives Verhalten beschränkte sich nicht nur auf die Fotografie - seine Schallplatten-Sammlung belief sich bspw. auf gut 25.000 Stück. Durch seinen starken Alkoholkonsum und die Einnahme von Amphetaminen war er in der Lage, drei bis vier Tage durchzuarbeiten, um dann danach vor Erschöpfung zu kollabieren.

Um seine künstlerische Freiheit zu erhalten, stieg Smith 1955 bei der bekannten Fotografenagentur Magnum Photos ein und widmete sich einer umfassenden Reportage über Pittsburgh und dessen Eisenhütten. Er fühlte ein zwingendes Bedürfnis ein Hauptwerk zu schaffen, damit die Life-Redakteure das Ende der Zusammenarbeit bereuten.

Doch Smith schaffte es nicht, dass Pittsburgh-Essay in eine Fassung zu bringen, die ihm gefiel. 1958 verließ Smith Magnum, um sich völlig unabhängig seinen Interessen zuzuwenden. So entstand auf einer seiner vielen Japanreisen, auf denen er seine zweite, japanische Frau Aileen kennenlernte, die Reportage über die Minamata-Krankheit, bei der der Chemiekonzern Chisso quecksilberhaltige Abwässer in offene Weiher kippte.

Dadurch kamen viele Neugeborenen missgestaltet zur Welt. Die Öffentlichkeitsarbeit, unterstützt von Smiths Fotos, erlaubte es, die Firma vor Gericht zu bringen. Das Buch „A warning to the world .... Minamata“ würde 1972 weltbekannt und alle wichtigen Zeitschriften veröffentlichten Smiths Fotos. Während der Aufnahmen wurde er vom Werkschutz zusammengeprügelt. Die Schläge, besonders auf die Augen, führten dazu, dass Smith zeitlebens stark an Sehkraft verlor und er sich aus der Öffentlichkeit zurückzog.

Von 1957 bis 1965 verbrachte Smith den Großteil seiner Zeit in einem New Yorker Loft in der Avenue of the Americas (Sixth Avenue); in dieser Zeit entstanden ca. 40.000 Einzelaufnahmen, in denen er die dort arbeitenden Jazzmusiker wie Thelonious Monk, Charles Mingus, Miles Davis, Roland Kirk, Zoot Sims, Albert Ayler oder Ornette Coleman portraitierte oder aus dem Fenster Straßenszenen festhielt.

Die Arbeitsatmophäre in dem Loft dokumentierte er auf 1740 Tonbändern mit ca. 4000 Stunden Material, die erst 1998 in seinem Nachlass gefunden wurden. Filme und Bänder wurden in zwölfjähriger Archivarbeit von Sam Stephenson, Dozent für Documentary Studies an der Duke University ausgewertet, in einer Ausstellung gezeigt und 2009 in dem Buch "The Jazz Loft Project" veröffentlicht.

 Smith hatte mit 57 Jahren Diabetes, Leberzirrhose, hohen Blutdruck, chronische Venenstauung mit Stasis dermatitis, kardiovasuläre Erkrankung und Erkrankung der arteriellen Herzkranzgefäße bei einem vergrößerten Herz., so sein behandelnder Arzt.  Er starbim Jahr 1978 erst  59-jährig, völlig verbittert und verarmt, an den Folgen eines Schlaganfalls, der durch seinen Alkohol- und Drogenmissbrauch verursacht wurde. Sein Nachlass befindet sich im "Center for Creative Photography" der University of Arizona in Tucson.

Die Ausstellung „W. Eugene Smith – Fotografien. Eine Retrospektive“ konzentriert sich bei den ausgewählten Arbeiten auf die von Smith für seine Reportagen vorgeschlagenen, jedoch nicht berücksichtigten Werke. Somit erhält der Besucher die Gelegenheit, die Foto-Essays, wie sie in Smiths Sinne sein sollten, ohne den vorgenommenen Eingriff der Redaktion zu sehen.

Das absolut sehenswerte Buch zur Retrospektive erschien im Kehrer Verlag.


W. Eugene Smith - Fotografien
Eine Retrospektive
Martin-Gropius-Bau
25. September – 27. November 2011
Niederkirchnerstraße 7 | Ecke Stresemannstr. 110
10963 Berlin
www.gropiusbau.de


W. Eugene Smith
Erste deutschsprachige Ausgabe
Autoren: Britt Salvesen, Enrica Vigano, W. Eugene Smith
Festeinband mit Schutzumschlag
27x34cm, 240 Seiten
175 S/W-Abb., Deutsch
ISBN 978-3-86828-255-9
39,80 Euro
2011

W. Eugene Smith Retrospektive, Berlin

W. Eugene Smith Retrospektive, Berlin

 W. Eugene Smith, Retrospektive, Berlin

W. Eugene Smith, Retrospektive, Berlin

 W. Eugene Smith, Retrospektive, Berlin

W. Eugene Smith, Retrospektive, Berlin

 W. Eugene Smith, Retrospektive, Berlin

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