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Linda Herzog : Mihriban - ein Liebeslied an die Türkei
Zwischen 2004 und 2007 verbrachte die Fotografin Linda Herzog Ihre Zeit in Istanbul. Von dort aus bereiste sie die Türkei und es entstanden Arbeiten für ihren Fotoessay Mihriban. "Mihriban" ist ein türkischer Frauenname und bedeutet soviel wie "guter Freund, mit gutem Herzen, mit lachendem Gesicht". Vor allem ist "Mihriban" aber ein bekanntes Liebeslied in der Türkei.
Linda Herzog verfällt dabei nie dem touristischen Reiz des rein Exotischen, sondern legt den Finger gerade auf jene Unterschiede, die eine politische Dimension entfalten. Der Bildband enthält 50 Fotografien aus der Osttürkei, der Schwarz- und Mittelmeerküste, Zentralanatolien, Istanbul und Izmir. Afyon im zentralen Westen hat sie besucht, weil es eine der konservativsten Städte der Türkei ist.
Anfänglich war sie fasziniert von Robert Franks „The Americans“, von der Idee, ein Land zu bereisen, es mit der Kamera zu erforschen und zu erfassen. Doch dann merkte sie, dass sie allzu vieles in der Türkei nicht verstand und, dass die Türkei in mancher Hinsicht nach gänzlich anderen Strukturen als den ihr vertrauten funktioniert, in einem Maß, das sie nicht erwartet hatte.
„Istanbul ist eine sehr große Stadt in einem sehr großen Land. Auf der Oberfläche scheint alles vertraut, doch auf einer zweiten oder dritten Ebene blickt man nicht mehr durch. Wenn man sich die Nachbarländer der Türkei ansieht, erkennt man, dass sich in der Türkei sehr vieles überlagert. Die Türkei ist der Schnittpunkt verschiedener Kulturkreise, die mich interessieren. Einer dieser Nachbarn ist Griechenland, das schon länger Mitglied der EU ist. Die gesellschaftlichen Entwicklungen, die dort stattgefunden haben, sind selbst im westlichen Teil der Türkei noch nicht vollzogen worden.
Auch spürt man den Einfluss von Bulgarien, Georgien und von Armenien, alles ehemalige kommunistische Staaten. Die Umwälzungen, die dort in den letzten fünfzehn Jahren stattgefunden haben, wirken sich unmittelbar auf die Türkei aus. Politisch brisant ist auch die Nachbarschaft zu Iran und Irak. Syrien hingegen ist mehr auf Israel ausgerichtet. Aber all dies prallt in der Türkei aufeinander.
Ursprünglich wollte ich entlang der Grenzen der Türkei reisen und fotografieren, eine ganz einfache Grundidee, die ich allerdings aus praktischen wie inhaltlichen Gründen verwarf. Die Grenzen zum Irak und Iran schienen mir zu gefährlich, die Küstenstriche nicht interessant genug. Anfangs hatte ich angenommen, dass alles einfach sei, wie in einem westlichen Land, in dem man herumreist. Fremd sein aber ist nie einfach. Die Sprache zu lernen war sehr zeitaufwändig. Und als Frau allein all die Dinge auszukundschaften, war auch nicht einfach, obwohl ich auf meinen Reisen von den Leuten vor Ort Unterstützung erhielt. Wenn es die Situation verlangte, blieb ich sogar bis zu einem Monat an ein und demselben Ort.“
Was sie beim Betrachter mit „Mihriban“ auszulösen hofft? „Dass eine Auseinandersetzung mit verschiedenen Aspekten der Türkei stattfinden kann und die Betrachter einen nüchternen Blick dafür entwickeln. Ich will Bilder machen, in denen man auf eine Entdeckungsreise gehen kann.“
Linda Herzog: Mihriban
Zürich 2007, Passsenger, 120 Seiten, 50 ganzseitige Farb-Abb., 24 x 29.4 cm, 120 Seiten
ISBN: 978-3-940215-03-1
