News // 10 News by KEHRER Verlag

'I like you, I like you a lot' von Alicja Dobrucka - Berührende Bilder einer persönlichen Geschichte über Familie und Verlust in Zeiten des Umbruchs in Polen, erschienen im KEHRER Verlag

Mit I like you, I like you a lot, einem persönlichen Projekt über Familie, Tod und Trauer, reagierte Alicja Dobrucka auf den tragischen Verlust ihres 13-jährigen Bruders Maks, der auf einem Pfadfinderausflug 2008 in Polen ertrank. Die Bilder zeigen die Ereignisse im Anschluss an diese Tragödie. Die Kamera diente dabei als Schutzschild gegen die brutale Realität einer unabänderlichen Situation. Der verstorbene Bruder und seine engsten Freunde bildeten eine kleine Gruppe. Verkleidet als amerikanische Soldaten spielten sie in einer schlesischen Landschaft, die an die Gemälde von Caspar David Friedrich erinnert. Als der Kommunismus 1990 endete, wurde Polen nach der Grenzöffnung von westlichen Produkten und Idealen überflutet. Maks und seine Freunde waren die erste Generation, die in dieser veränderten Welt aufwuchs. Die Kamera bezeugt die damalige Begeisterung für westliche und amerikanische Archetypen.

Aus dem Text von Olivier Richon: »Kafka and Friedrich have been called upon as cultural off frames that inform my reading of I like you, I like you a lot, opening and closing the visual narrative in the manner of two book ends. A writer and a painter, both from central Europe. Here photography is a narrative form predicated upon the restful silence of images — the silence of a crypt. It is a reliquary of sorts that uses the camera as a container that preserves images. The photographs are these visual relics that articulate an aesthetic and emotional relation to loss. They follow a structure of disavowal, what Freud called Verleugnung, which achieves a compromise wherein the memory of the departed is conserved and abandoned. To accept the verdict of reality and yet to maintain a belief in the existence of the departed through the photograph as relic. The photograph as relic is a frozen moment reminiscent of the arrested motion of baroque art, an art that flourished in Silesia. But these photographs are not just relics, they are also works of art with a haunting off frame.«

Das Buch erschien mit Texten von Thomas Frangenberg (1957 – 2018), gleichzeitig Spezialist für Renaissancemalerei und -skulptur und Sammler konzeptueller Kunst, und Olivier Richon (geb. 1956) Schweizer Fotograf, der in London lebt. Er ist Professor am Royal College of Art.


About - Alicja Dobrucka (geb. 1985 in Polen) arbeitet als Fotografin in London and Mumbai. 2010 erhielt sie den begehrten Deutsche Bank Fine Art Award and Grant für Fotografie, 2016 den INPHA Award von Manifest in Ohio. Ihre Arbeiten wurden international ausgestellt und sind in Sammlungen wie der Wienerberger Collection, Wien; dem Krakauer Museum für Fotografie, der Paul Smith Collection, London, dem Museum of Contemporary Art, Peking, der Space 118 Collection, Mumbai. www.alicjadobrucka.com


I like you, I like you a lot Alicja Dobrucka . Texte von Thomas Frangenberg, Olivier Richon . Gestaltet von Alicja Dobrucka & Kehrer Design (Anja Aronska) . Festeinband mit Schutzumschlag . 19,2 x 24 cm . 128 Seiten, 61 Farbabb., Englisch . ISBN 978-3-86828-946-6 . Euro 38,00
09.09.2019 // show complete article

 
GoSee loves ... Anni Leppälä 'hyle | curtain | backdrop' - ein poetisches Künstlerbuch der finnischen Fotografin der Helsinki School über die Verbindung einzelner Bilder zu nichtlinearen Geschichten (Kehrer Verlag)

'The connections between the images are essential to my work. How the images affect each other and what kind of relationships they create between each other. I try to trace this emerging ‘thirdimage’ between two or several images; the various combinationsof images compose different interpretations; it is like an uncovering of new thoughts,' so Anni Leppälä.

Ihr Werk schöpft aus Erinnerungen, Verlust, Sehnsucht und früher Jugend. In ihren Bildern versucht sie, Verbindung und Nähe erfahrbar zu machen, aber auch eine vertraut wirkende, tiefere Bedeutung zum Vorschein zu bringen. Die Verbindung zwischen den einzelnen Bildern ist essenziell für das Werk der Fotografin. Geschichten werden nicht linear erzählt, sondern bewegen sich in verschiedene Richtungen und Dimensionen, was sich nicht zuletzt in der wohldurchdachten Buchgestaltung zeigt (Design: Anni Leppälä, Tuomo Rainio, Liisa Seppo).

'My works do not consist of separate series, but the recent images expand the already existing entity of works. This starting point also conducts the situation of photographing. I am looking for elements of the visible reality that could be recognised as conveyors of a certain experience or atmosphere and that also could create connections with the already existing images.'

Anni Leppälä (geb. 1981) lebt und arbeitet in Helsinki. Sie studierte Fotografie an der Kunstakademie der Turku University of Applied Sciences (BA) und an der University of Art and Design in Helsinki (MA). Ihre Arbeiten werden seit 2006 internationalausgestellt, u.a. in Gruppenausstellungen im Tokyo Metropolitan Museum of Photography in Japan, im Kunstmuseum Wolfsburg , im Museo Thyssen-Bornemisza in Madrid, beiden Recontres d’Arles in Frankreich und im Scandinavia Housein New York. Jüngste Einzelausstellungen waren im Turku Art Museum, in der Galerie les Filles du Calvaire in Paris und der Purdy Hicks Gallery in London. 2010 wurde sie mit dem Finnish Young Artist of the Year Award ausgezeichnet und das Tampere Art Museum zeigte ihre erste umfassende Museumsaustellung ihrer Arbeit und publizierte dazu ein Buch ihrer Fotografien. Ihre Arbeiten sind in wichtigen Sammlungen finnischer Institutionen wie dem Finnish Museum of Photography, Kiasma Museum of Contemporary Art, EMMA Museum of Modern Art und in internationalen Sammlungen, wie der Deutschen Bank Collection, Teutloff Collection und der Fondation d’entreprise Hermès vertreten. www.annileppala.fi

Klappenbroschur, 16,5 x 24 cm 128 Seiten, 71 Farbabbildungen, ISBN 978-3-86828-942-8 2019
03.09.2019 // show complete article

 
featured by GoSee SHOP : GoSee Buch Tipp : Francesca Catastini 'Petrus' - eine subtile Studie schöner Objekte über die menschliche Suche nach einer konkreten Form, erschienen im Kehrer Verlag

Als wunderbares Coffeetable Book empfehlen wir Euch diese Woche 'Petrus' von Francesca Catastini, erschienen im Kehrer Verlag. Die auf den ersten Blick zusammenhanglose Sammlung von Fotografien schöner Objekte eröffnet mit der Lektüre der Intention der Fotografin eine zweite Ebene. Francesca Catastini (*1982) hat an der NABA in Mailand Fotografie und Visual Design (MA) studiert und bereits international ausgestellt. Hier bei GoSee geben wir Euch einen Blick ins Buch, mehr gibt es auf Vimeo.

'Petrus überdenkt eine gewisse Rhetorik von Männlichkeit in der westlichen Kultur', so der Kehrer Verlag. 'Dabei geht es um den Wunsch des Menschen, sich selbst und die Welt mithilfe einer konkreten Form zu beschreiben. Die Form bleibt jedoch niemals gleich, sondern ist das stets wandelbare Ergebnis einer immerwährenden Spannung zwischen inneren und äußeren Kräften. Durch eine zynische, zärtliche, willkürliche Studie von Objekten, die wahrscheinlich gar nicht analysiert werden können, spielt die Künstlerin mit Archetypen und Abbildungen, die unser Leben gestalten und unsere Vorstellungen prägen. Auf der Suche nach den feinen Abweichungen geht sie mit ihren Bildern über die figurative Bedeutung hinaus und schafft neue Analogien und Konnotationen.'

Aus dem Text von Francesca Catastini: “Dear Petrus, I named you after a bottle. A dark one, with a red cap. The bottle of liquor advertised during the 80s as the perfect drink for the the strong man. The man living according to nature. But what is nature? When I met Albrecht it was hot. I had been to the quarry that day. He was spending his holidays in his former home. The kind of holidays that are not real. Just before leaving, he gave me the keys to his place and asked me to take photos of it. Albrecht liked the idea of having some memories to look at when away. The house was empty and not. Halfway between the habitual and a certain sense of putting life on hold. Going away with no goodbye just to come back and then leave again. I found his things there. I had never seen them before, but I thought I kind of knew: objects belonging to the schoolboy, the footballer, the student, the smoker, the musician, the believer, the husband, the engineer, and the teacher. Albrecht in a suit. The construction of a form.”
07.08.2019 // show complete article