06.02.2010  •  Illustration NEWS

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ARCHITECTURE •  Villa Tugendhat - die legendäre Villa im Spiegel der Zeit

1928–1930 ließen sich der Brünner Textilindustrielle Fritz Tugendhat und seine Frau Grete von einem Mitbegründer der modernen Architektur, dem Deutschen Maria Ludwig Michael Mies (1886–1969), der sich später Ludwig Mies van der Rohe nannte, ein Wohnhaus bauen, das ein Weltkunstwerk wurde.

1992 unterzeichneten am großen Esstisch dieser Villa Tugendhat Vaclav Klaus und Vladimir Meciar den Vertrag über die Auflösung der Tschechoslowakei – in zwei unabhängige Staaten Tschechien und Slowakei.

Das jüdische Ehepaar Fritz und Grete Tugendhat musste 1937-38 vor den Nazis fliehen und emigrierte über die Schweiz nach Venezuela. Ihre Villa in Brünn wurde während der Beschlagnahmung durch die Nazi-Gestapo und nach 1945 durch die Rote Armee schwer in Mitleidenschaft gezogen.

1962 wurde die Villa eine Anstalt für Heilgymnastik, dann unter Denkmalschutz gestellt und 1985 notdürftig restauriert. Seit 1994 ist die Villa ein Museum und 2001 wurde sie in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen. Heute verfallen die Villa und der Ideenreichtum der Konstruktion langsam. Eine Rückgabe der Villa Tugendhat an die Familie fand niemals statt.

Mies entwarf nicht nur das Gebäude, sondern beinahe alle Details und Einrichtungsgegenstände. Dies unter Einsatz hochwertiger Baustoffe und moderner Technologien, die sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts durchzusetzen begannen. Auch die Möbel wurden von Mies selbst entworfen. Die damals noch seltene Klimaanlage sorgte für die Heizung wie auch die Kühlung des Hauses im Sommer.

Mies van der Rohe wird der berühmte Satz zugeschrieben: Weniger ist mehr" („less is more“). Er war Mitbegründer der Architektenvereinigung „Der Ring“, 1930-1933 Leiter der Kunstschule Bauhaus in Dessau und Berlin, übersiedelte 1938 in die USA und leitete 1938 bis 1958 die Architektur-Abteilung am Institute of Technology "The New Bauhaus" in Chicago. Ludwig Mies van der Rohe starb 1969 in Chicago.

Dirk Brömmel (*1968) setzt sich in seinen Arbeiten mit dieser Architekturikone nicht im Sinne klassischer Architekturfotografie auseinander, sondern verbindet auf besondere Weise die Vergangenheit des Gebäudes und der damaligen Bewohner mit der bestehenden, gegenwärtigen Situation.

Ausgehend von Originalaufnahmen aus dem Fotoalbum der Familie Tugendhat begab sich Dirk Brömmel vor Ort selbst auf die Suche nach den abgebildeten Plätzen. Im Sandwich-Verfahren legt er schließlich alte Fotografien über seine aktuellen und erschafft so faszinierende, mit der Wirklichkeit und der Zeit spielende Dokumente.


Dirk Brömmel - Villa Tugendhat
bis 14. März 2010
Städtische Galerie im Theater
Schloßlände 1, 85049 Ingoldstadt
www.mkk-ingolstadt.de
Öffnungszeiten: Di-So 11-18 Uhr



 
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Villa Tugendhat by Dirk Brömmel

Villa Tugendhat by Dirk Brömmel

 
Villa Tugendhat by Dirk Brömmel

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